Charlotte hatte gerade ihr Studium beendet und war wieder in das vertraute kleine Dorf zu ihren Eltern zurückgekehrt. Sie benötigte dringend einen Job und fand ihn als Haushälterin im örtlichen Pfarrhaus der evangelischen Gemeinde. Es war allerdings nur ein Teilzeitjob. Charlotte arbeitete anfangs an den drei ersten Tagen der Woche für jeweils fünf Stunden, da die Gemeinde nicht die nötigen finanziellen Mittel für eine Vollzeitstelle hatte. Aber, um ehrlich zu sein, reichte die Zeit nicht aus um das komplette Haus zu reinigen. So wurde der Freitag zu ihrem Zeitplan hinzugefügt. Dann säuberte Charlotte den Bereich des Obergeschoss, während der Reverend unten in seinem Arbeitszimmer seine Wochenendpredigt schrieb.
Es gab im Obergeschoss ein paar Zimmer, um die Charlotte sich nicht kümmern sollte, da diese Räume nie benutzt wurden. Dort wurden hauptsächlich diverse Unterlagen wie Pfarrbücher gelagert. Charlotte sollte nur das Schlafzimmer des Pastors, das Gästezimmer und das Badezimmer reinigen. Sie saugte dort die Teppichböden, wechselte das Bettzeug und machte das Badezimmer sauber.
Es lief in der ersten Woche ganz gut und Charlotte arbeitete sich schnell ein. Es war eine einfache Tätigkeit und Charlotte konnte alles rasch und gut erledigen. Aber an jenem schicksalhaften Freitagmorgen sollte sich alles ändern.
Charlotte hatte das Schlafzimmer gesäubert und die Bettwäsche nach unten zum Waschkeller gebracht. Danach kehrte sie mit sauberer Bettwäsche wieder zurück um das Bett neu zu beziehen. Kurz vor dem Schlafzimmer stolperte sie und taumelte gegen die Tür des Raums, welchen sie bis dahin noch nie betreten brauchte. Als das geschah, gab das Türschloss nach, die Tür wurde schlagartig geöffnet, und Charlotte fiel in den Raum hinein. Sie landete auf dem Fußboden und war zunächst leicht benommen. Dann rappelte sie sich auf und stand schließlich wieder auf den Füßen. In diesen Moment bemerkte sie in der Ecke eine schwarze Figur, welche unverkennbar weiblich war. Als Charlotte näher an diese Figur heranging, sah sie mehrere Riemen, mit denen diese weibliche Person an einer hinter ihr befindlichen Stange festgeschnallt war.
Als sie die komplett von einem schwarzen Material bedeckte Frau erforschte, wurde sie von weiteren Erkundungen abgehalten, da der Pastor herein kam. Er hatte das Rumpeln gehört als Charlotte hingefallen war, und sofort nach oben gegangen um nach ihr zu sehen. Doch dann wurde sein Gesicht ganz blass, weil er sah wie Charlotte die an der Stange festgeschnallte Gestalt anschaute. Schließlich sagte er: „Eigentlich solltest du nicht hier drin sein. Dieser Raum ist tabu.“
„Ich weiß…“, stammelte Charlotte, die immer noch von dem Sturz leicht benommen war. Sie war aber von dem was sie entdeckt hatte noch viel mehr benommen, oder fassungslos, oder erstaunt…
„Aber ich bin doch nur über die Teppichkante gestolpert. Ehrlich, ich wollte nicht hier rein…“
„Wie oft habe ich gesagt, dass der Teppich ersetzen werden muss. Aber die Pfarrei hat nicht die Mittel, die dafür erforderlich sind“, antwortete der Pastor. „Entschuldige bitte für all das, aber du gehörst wirklich nicht hierher.“
„Ja, und ich entschuldige mich auch für mein unerlaubtes Eindringen“, antwortete Charlotte, deren Gesicht vor Verlegenheit rot anlief. „Äh, ist sie okay?“, fragte Charlotte und zeigte auf die andere Person.
„Sie?“ Jetzt war es Pastor White, dessen Wagen vor Scham rot anliefen. „Oh nein! Es ist nicht das, was du denkst.“
Charlotte stand unschlüssig in dem Raum und schaute von der Figur zum Pfarrer hin und her. Sie wartete auf eine Erklärung.
„Es ist keine Sie. Na ja, technisch gesehen ist es weiblich, aber nicht so wie du oder ich“, begann er zu erklären. „Aber ich werde erledigt sein, wenn das rauskommt. Der Bischof wird mich feuern.“
„Bestimmt nicht. So schlimm kann das doch nicht sein. Oder?“
„Die Figur ist nur eine Puppe, die ich gerne einkleide um mit ihr zu spielen“, sagte der Pastor zu Charlotte. „Wenn mein Geheimnis heraus kommt, werde ich die Lachnummer der Kirche sein.“
„Warum sollte es rauskommen? Wir haben schließlich alle unsere Geheimnisse. Würde es ihnen leichter machen, wenn ich ihnen eines meiner Geheimnisse beichte?“
„Wie bitte?“, antwortete er. „Das kann nicht sein, nicht in deinem Alter.“
„Ich verrate es“, sagte sie stolz. „Ich mag es mich zu fesseln und, nun... sie wissen schon. Fühlen sie sich jetzt besser, weil wir beide unsere Geheimnisse haben?“
„Nun, ich denke schon, aber deines ist akzeptabler“, antwortete er. „Eine gefesselte Gummipuppe wird dagegen wohl eher nicht akzeptiert.“
„Gummi? Sie trägt Gummisachen?“, fragte Charlotte. „So etwas habe ich noch nie gesehen oder gar getragen. Wie fühlt es sich an?“
„Nun, da du jetzt mein Geheimnis kennst, solltest du vielleicht die Puppe berühren“, antwortete er.
„Ich darf?“, fragte Charlotte. Sie war nämlich absolut neugierig und wollte unbedingt wissen wie es sich anfühlte. Sie streckte ganz vorsichtig den Arm aus, als würde sie erwarten dass die Puppe bei der Berührung wegspringen würde. „Es fühlt sich kalt an“, stellte Charlotte fest.
„Ja klar. Die Puppe hat keine Körperwärme, um den Anzug zu erwärmen“, sagte der Pastor.
„Es fühlt sich sehr glatt und weich an, aber…“ Charlottes Finger verweilten auf der glänzenden schwarzen Oberfläche des Puppenarms und zeichneten die nahtlose Form nach, welche der darunter befindliche Körper vorgab. Das Material war anders als alles, was sie jemals zuvor berührt hatte. Es war kühl, unglaublich glatt, fast rutschig, aber mit einem subtilen Gefühl, weswegen Charlotte es nicht mehr loslassen wollte. Es hatte auch einen schwachen, unverwechselbaren Duft: Leicht süßlich, ein wenig chemisch- unbekannt, gemischt mit einer undefinierbaren Sinnlichkeit. „Es liegt ganz fest… sehr eng an…“ Charlotte zog etwas an dem Latexmaterial und spürte wie es leicht nachgab. Darunter fühlte es sich fest an. Und als Charlotte wieder losließ, nahm das Material wieder sofort seine ursprüngliche Form an. Charlotte erschauderte. Es war aber keine Angst, aber so ähnlich, vielleicht aber auch Erregung. Die Art und Weise, wie das Material die Puppe so perfekt umhüllte, in ein makelloses, anonymes Objekt verwandelte... Charlotte kannte dieses Gefühl. Sie spürte es immer wenn sie alleine in der Dunkelheit ihres Schlafzimmers ihre Fantasien mit Hilfe von Seilen und Schals erforschte. „Es… es ist unglaublich“, murmelte sie. Ihre Stimme klang sanfter als beabsichtigt. Charlottes Wangen waren immer noch von dem Sturz und der Verlegenheit gerötet, aber jetzt schlich sich eine andere Wärme ein. Sie ließ ihre Handfläche über die Puppe gleiten, folgte deren Körperform über die Hüften, welche so perfekt unter der zweiten Haut versiegelt waren. Als sie das tat, spürte sie ein unerwartetes Kribbeln in ihrem Unterleib. Das Latex schien auf die Berührung ihrer Hand zu reagieren. Es wurde schnell warm und fühlte sich an, als ob es auf seine eigene Art und Weise lebendig wäre. Charlotte schaute zu Pastor White hinüber.
Er hatte sie die ganze Zeit mit einer Mischung aus Angst und Neugier, vielleicht auch mit Erleichterung, beobachtet, denn sie war nicht vor Entsetzen zurückgewichen.
Charlotte schluckte, denn ihr wurde plötzlich bewusst, wie nah sie an der gefesselten Figur stand. Ihr Atem war schneller geworden.
„Es fühlt sich... kraftvoll an“, sagte sie schließlich. Ihre Worte klangen fast ehrfürchtig. „Das Material… Es macht die Puppe zu etwas Perfektem. Etwas... es kontrolliert…“
Charlottes Finger glitten über einen der Lederriemen, der die Puppe aufrecht hielt. Sie ließ die Finger kurz über die Schnalle gleiten, um danach wieder das Latex zu berühren.
„Ich glaube, ich weiß warum es ihnen gefällt“, sagte sie, während ihre Hand weiterhin die Puppe berührte. „Ich kann total verstehen, warum sie diese Puppe haben. Schließlich können sie nicht mit einer der Frauen ihrer Pfarrei ausgehen, wenn diese obendrein so gekleidet ist. Das käme bestimmt nicht gut an, denke ich. Ich bin mir auch sicher, dass darüber gelästert wird, weil eine junge Frau bei ihnen putzt.“ Charlotte lachte.
Der Pfarrer entspannte sich, denn er sah wie Charlotte es akzeptierte, dass er eine Puppe im Haus hatte. Was aber dann kam, überraschte sogar ihn.
„Ich frage mich, wie es sich wohl anfühlt, wenn man so etwas trägt“, sagte Charlotte. Ihre Hand berührte immer noch den Latexanzug, während sie den Pastor mit einem immer noch geröteten Gesicht leicht verlegen anschaute. Dann sagte sie schnell: „Entschuldigung, ich habe nur laut nachgedacht.“
„Ich habe noch einen Anzug. Möchtest du es ausprobieren?“, fragte er.
„Darf ich? Also, ich meine, ich möchte nicht aufdringlich sein“, stammelte sie und schämte sich, weil sie ihm ihre privaten Gefühle und Gedanken offenbart hatte.
Pastor White zögerte einen Moment. Sein Blick wechselte von Charlottes neugierigem Gesichtsausdruck zu dem der regungslosen Puppe und wieder zurück. Die anfängliche Panik war abgeklungen und durch neue Probleme ersetzt worden. Da war zuerst einmal eine gewisse Erleichterung, gefolgt von einer Befürchtung möglicher Katastrophen, weil er nicht genau wusste was seine Haushälterin im Sinn hatte. Er räusperte sich und öffnete seinen Kragen, weil er das Gefühl hatte als ob es enger geworden wäre.
„Also… ja, der andere Anzug“, sagte er vorsichtig. Seine Stimme war leise. „Der wurde eigentlich noch nie getragen. Er liegt immer noch original verpackt in seinem Karton. Ich habe den Anzug vor ein paar Jahren aus einer dummen Laune heraus gekauft, weil ich dachte… also, weil ich dachte dass ich die Puppe eines Tages in etwas anderes kleiden könnte. Aber ich habe es nie getan.“
Er kam einen kleinen Schritt näher und studierte ihren Gesichtsausdruck, weil er anhand möglicher Veränderungen abwägen wollte was er zu sagen hätte.
„Wenn du es wirklich wissen willst, also wenn du es ernst meinst, Charlotte, denke ich, dass es nicht schadet, wenn du den anderen Anzug anprobierst. Dieses Zimmer ist privat, die Tür kann man von innen abschließen. Okay, jetzt nicht mehr, da du die Tür aus Versehen aufgebrochen hast. Aber ich bin die einzige andere Person in diesem Haus.“
Er schenkte ihr ein schwaches, fast schüchternes Lächeln.
Dann fuhr er fort zu sagen: „Also, ich kann unten warten, wenn du lieber deine absolute Privatsphäre haben möchtest. Oder… oder ich könnte hier bleiben und dir mit dem Reißverschluss helfen, wenn du möchtest. Latexsachen anzuziehen kann ziemlich schwierig sein, vor allen Dingen wenn man alleine ist und es zum ersten Mal macht.“
Er hielt wieder inne und seine Wangen färbten sich leicht ins Rötliche.
„Ich verspreche dir, dass ich ein Gentleman sein werde. Und wenn du dich zu irgendeinem Zeitpunkt aus irgendeinem Grund unwohl fühlst, hören wir sofort auf. Ich respektiere jede deiner Entscheidungen. Schließlich warst du bezüglich meines kleinen Geheimnis sehr nett. Und das ist mehr als ich von dir erwarten kann.“
Sein Blick wurde sanfter und das was er danach sagte klang mehr wie eine Einladung oder gar wie eine Bitte. Er fragte: „Also... würdest du es immer noch versuchen wollen?“
Jetzt war Charlotte an der Reihe einen Ansturm widersprüchlicher Emotionen zu spüren, die wie eine Welle über sie stürzten. Ihr Herz schlug so hart, dass sie sich sicher war Pastor White würde es in diesem stillen Raum hören können. Die Auf- oder vielmehr Erregung war jedoch dominierend. Es fühlte sich wie ein elektrisches Kribbeln an und machte Charlotte ganz schwindelig bei dem Gedanken dieses glänzende schwarze Material auf ihrer eigenen Haut spüren zu dürfen. Die Aussicht in die gleiche perfekte, anonyme Hülle zu schlüpfen, welche die Puppe so mühelos trug, war kaum noch auszuhalten. Charlotte hatte zuvor jahrelang von enge, restriktive Kleidung geträumt, sich aber nur mit behelfsmäßigen Dingen wie Strumpfhosen, Gürtel oder Schals begnügt. Aber das hier war etwas ganz anderes. Das war echtes Latex! Ein kompletter Anzug! Allein das ließ ihren Mund trocken werden, und ein Kribbeln im Magen als auch im Unterleib erzeugen.
Es gab allerdings auch ein kleines Bedenken, welches sich nicht so einfach wegwischen ließ. Charlotte stand mit ihrem Arbeitgeber in einem bis kurz zuvor abgesperrten Raum. Ihr Arbeitgeber war ein Mann, der fast so alt wie ihr Vater aussah und obendrein ein Pastor war. Und dieser eigentlich doch fremde Mann bot ihr an bei etwas zutiefst Intimes und unbestreitbar sehr Erotisches behilflich zu sein. Das klang falsch und war im Prinzip ein absolutes Tabu. Doch genau dieser Widerspruch, oder dieses Geheimnis schien Charlottes Empfindungen nur noch zu verstärken, anstatt zu dämpfen. Charlottes Erregung wurde stärker und sie spürte wie eine angenehme Wärme die Brüste ergriff und immer weiter nach oben wanderte. Diese Wärme ließ zuerst ihren Hals und dann die Wangen in einem zarten Rosa erstrahlen.
Charlotte fühlte sich bereits wie auf einem Präsentierteller, obwohl sie noch vollständig bekleidet war. Ihr war klar dass der Pastor die Neugier in ihren Augen gesehen und die Sehnsucht in ihrer Stimme gehört hatte, als sie sich laut gefragt hatte wie es sich in dem Latex- Ganzanzug anfühlen würde. Es würde nichts bringen nur so zu tun als ob, denn er wusste es genauso wie sie selber dass sie es wollte. Doch dann befürchtete Charlotte dass sie für diesen Wunsch als ein schlechter Mensch verurteilt werden würde. Diese Befürchtung verschwand aber schneller als sie gekommen war, denn Charlotte wusste dass er es nicht tun würde. Es gab schließlich ein gegenseitiges Vertrauen, welches vollkommen unerwartet gekommen war. Aber dieses Vertrauen war noch neu, möglicherweise sogar zerbrechlich. Aber war es das wirklich? Der Vikar war bezüglich seines Geheimnis ehrlich zu ihr gewesen. Es war sogar ein Geheimnis, welches für ihn sehr verletzlich sein konnte. Und, ganz wichtig, er bot ihr die Sicherheit an jederzeit aufzuhören. Sein Versprechen, ein Gentleman zu sein, fühlte sich absolut aufrichtig an, weswegen Charlotte sich in seiner Gesellschaft sicher fühlte.
Was aber alles in den Schatten stellte war die Vorfreude, die so intensiv, fast sogar unerträglich war. Ein kribbelndes Bewusstsein zwischen ihren Oberschenkeln, ein leichtes Zittern ihrer Finger, welche immer noch auf der latexbekleideten Hüfte der Puppe ruhte. Charlotte stellte sich die kühle Umarmung des Materials vor, wenn es über ihre Haut rutschte, sich straffte, sich auf jedem Fleck ihres Körpers anlegte, jede Unvollkommenheit auslöschte, bis auch sie zu etwas Makellosem werden würde, still und kontrolliert.
Charlotte schluckte mehrmals. Dann bemerkte sie seinen sanften, wartenden Blick.
„Ja“, sagte sie schließlich. Ihre Stimme war kaum lauter als ein Flüstern. „Ich… ich würde es gerne versuchen. Und ich denke… ich denke, dass ich auch gerne ihre Hilfe in Anspruch nehmen möchte, wenn es ihnen recht ist.“
Whites Augen weiteten sich für den Bruchteil einer Sekunde. Überraschung vermischte sich mit Erleichterung und Freude, bevor er langsam nickte. „Ich werde dir natürlich behilflich sein“, sagte er. Seine Stimme klang sanfter, fast ehrfürchtig. „Lass’ mich jetzt bitte den anderen Anzug holen.“
Er durchquerte den Raum und ging zu einem hohen Kleiderschrank in der anderen Ecke. Er öffnete ihn und nahm einen flachen schwarzen Karton vom oberen Regal herunter. Staub rieselte vom Deckel herunter, als er den Karton zu einen kleinen Tisch neben der Puppe trug und dort ablegte.
Als er den Deckel hob, erfüllte der Duft von frischem Latex die Luft. Der Geruch war viel stärker und reiner als das schwache Aroma des älteren Anzugs, der die Puppe umhüllte.
Im Inneren lag ein neuer, unbenutzter Latexganzanzug. Der Ganzanzug war glänzend schwarz, genau wie der von der Puppe. Er lag ordentlich zusammengefaltet zwischen mehreren Schichten aus Seidenpapier. Der Pastor erklärte, dass der Anzug angeklebte Füßlinge und Handschuhe hatte. Es gab außerdem auf der Rückseite einen langen Reißverschluss, der vom unteren Ende der Wirbelsäule bis zum Stehkragen verlief. Auf dem Anzug lag eine separate Latexmaske mit Öffnungen für Mund, Augen und Nase.
Charlotte stockte beim Anblick der Sachen der Atem. Es sah so makellos aus, perfekt gemacht für einen menschlichen Körper… für ihren Körper.
Der Pastor nahm den Anzug vorsichtig heraus und schüttelte ihn leicht, damit sich das Latex mit einem weichen, gummiartigen Seufzer entfaltete.
„Wir werden ein wenig Talkum benötigen“, sagte er sachlich klingend und nahm eine entsprechende Dose aus dem gleichen Schrank heraus.
„Damit gleitet das Material leichter über die Haut.“
Dann drehte er ohne dass Charlotte ihn darum gebeten hatte ihr seinen Rücken zu, und gab ihr die „Privatsphäre“ fürs Ausziehen.
Charlottes Finger zitterten, als sie ihre Schuhe auszog. Dann zog sie ihre Jeans, ihren Pullover und ihre Unterwäsche aus, bis sie nur mit ihren Socken bekleidet in dem Raum stand. Die Luft in dem Raum fühlte sich kühl auf ihrem nackten Körper an. Es bildete sich eine Gänsehaut auf Charlottes Arme und Oberschenkel. Sie zögerte nur einen Moment, bevor sie auch ihre Socken auszog und vollkommen nackt vor der schweigenden Puppe und dem höflich abgewendeten Pfarrer stand.
„Ich bin bereit“, flüsterte sie.
Er drehte sich herum und hielt seinen Blick zuerst vorsichtig nur auf ihrem Gesicht. Dann, als sie ein kleines, nervöses Nicken tat, erlaubte er seinen Augen ihren Körper mit einem eher sachlichen Blick zu betrachten. Charlotte war in gewisser Hinsicht darüber sehr erleichtert.
Der Pastor verteilte Talkum recht großzügig über ihre Füße und Waden, nur um ihr zu zeigen wie man es machen sollte. Dann reichte er ihr den Kunststoffbehälter, damit sie selber ihre Oberschenkel, Hüften und den Oberkörper mit dem Talkum bestäuben sollte.
Nachdem das geschehen war, kamen die Füße zuerst an die Reihe. White kniete nieder und hielt den weit geöffneten Ganzanzug vor ihr hin, damit Charlotte mit den Zehen voran zuerst ihre Füße und dann die Beine hineinführen konnte.
Das Latex war beim ersten Kontakt mit ihrer Haut kalt, weswegen Charlotte scharf einatmete. Das Material erwärmte sich aber fast sofort, als es ihr weiches Fleisch berührte und bedeckte. Der Latexanzug glitt sanft, fast streichelnd über ihre Knöchel und Waden, um sich danach fest anzulegen und jede Kontur zu glätten.
Als der Anzug ihre Oberschenkel erreichte, stand der Vikar auf und bat Charlotte sich leicht nach vorne zu beugen. Charlotte tat es und er half ihr ihre Arme nacheinander in die leeren Ärmel zu führen. Nachdem ihre Hände durch die langen Latex- Armhülsen hindurch gerutscht waren, wurden Charlottes Hände samt Finger von den an den Ärmeln festgeklebten Latexhandschuhen umhüllt. Es fühlte sich zuerst sanft und weich, dann beharrlich an. Ein letzter Zug an den Ärmeln, und die Arme sowie die Hände waren von einer fast nahtlosen schwarzen Gummihaut umgeben.
Das Gefühl der zweiten Haut, sowie die leicht beschränkte Bewegungsfreiheit sandten Schauer der Erregung aus.
Schließlich wurde das Material ein letztes Mal gestreckt und sanft über die Schultern gezogen. Das Oberteil des Latexganzanzugs legte sich sofort fest an Charlottes Oberkörper an. Charlotte hatte das Gefühl als ob ihre Brüste durch den Druck leicht komprimiert werden würden. Ihre Brustwarzen reagierten auf die Kälte und wurden hart, wodurch sie gegen das glatte Gummi drückten.
Nun kam der knifflige Teil. Pastor White stellte sich hinter ihr hin und zog den noch weit geöffneten Ganzanzug zusammen. Charlotte spürte seine Finger, wie diese sanft und vorsichtig den Rücken berührten. Dann versuchte er mit einer Hand den Ganzanzug halbwegs geschlossen zu halten und begann mit der anderen Hand den Reißverschluss zu schließen. Der Pastor begann ganz unten und arbeitete sich Zentimeter um Zentimeter nach oben. Der Latexganzanzug legte sich ganz fest an der Taille an. Dann spürte Charlotte den zunehmenden Druck auf den unteren Rippen und der Brust, bis schließlich der ganze Oberkörper in einer glänzenden schwarzen Umarmung versiegelt war.
Als der Reißverschluss die Oberseite des Stehkragens erreichte, umarmte der Anzug Charlotte derart perfekt, als wäre das Material auf ihrem Körper drauf gegossen worden. Es gab keine Lücke, keine Falten. Da war nur noch eine perfekte, glänzende Gleichmäßigkeit vom Hals bis zu den Zehen zu sehen.
Charlotte schaute an sich herab. Sie betrachtete ihre makellose schwarze zweite Haut, die jetzt jeden Zentimeter ihres Körpers unterhalb ihres Hals bedeckte. Ihre Brüste wurden sanft zusammengedrückt und angehoben. Die Brustwarzen waren ganz steif und drückten gegen das Material, was nicht zu übersehen war. Ihre Taille war etwas schmaler geworden, wodurch die Hüften präsenter wirkten. Die Oberschenkel wurden in einer glatten, straffen und glänzenden Perfektion präsentiert.
Charlotte machte einen zaghaften ersten Schritt.
Das Gefühl war berauschend. Das Material glitt bei jeder Bewegung minimal, kaum sichtbar, aber äußerst gut spürbar, über die Haut. Es war längst aufgrund der eigenen Körperhitze warm geworden und streichelte die Haut mit einem konstanten, sanften, aber wunderbaren Druck. Die Empfindung explodierte durch sie hindurch. Zwischen ihren Oberschenkeln rieb sich das glatte Material so köstlich, als würde es kleine Funken des Vergnügens durch sie hindurch schicken. Jeder Schritt wurde zwar gedämpft, aber Gefühlsmäßig verstärkt. Charlotte spürte den Fußboden unter den Gummisohlen viel stärker als zuvor, als sie barfuß war.
Charlotte machte einen weiteren Schritt, dann noch einen und noch einen. Sie ging absichtlich ganz langsam im Kreis herum. Der Anzug erwärmte sich jetzt vollständig und klammerte sich an ihrem Körper wie die Hände eines Liebhabers fest; unnachgiebig; aber doch verzeihend; geradeso ausreichend um sich mit ihr zu bewegen. Ihre behandschuhten Finger glitten über ihre gummierte Hüfte während sie immer weiter ging. Die Berührung fühlte sich berauschend, fast elektrisierend an. Gummi auf Gummi, glatt und warm, sandten einen Schauer nach dem anderen durch ihren Körper.
Charlottes Brüste bewegten sich leicht bei jedem Schritt. Ihre aufrechten Brustwarzen rieben so köstlich über das eng anliegende und glatte Material. Diese Reibung baute ein langsames, beharrliches Pochen auf. Zwischen ihren Beinen war der Druck exquisit. Bei jedem Schritt streichelte das dort nahtlose glänzende Gummi ihre empfindlichsten Stellen mit einer unerbittlichen Präzision.
Charlotte machte einen weiteren Schritt, dann noch einen… Sie ging immer noch in dem Raum im Kreis herum, vorbei an der gefesselten Puppe, um den Tisch herum, zurück zum Spiegel an der Schranktür. Sie hielt schwer atmend vor dem Spiegel an.
Charlotte betrachtete ihr Spiegelbild. Der Kopf und das Gesicht waren immer noch der vertraute Anblick. Obwohl… Das Gesicht war gerötet, die Augen weit geöffnet, und der Kopf thronte auf einem glänzenden hohen Kragen. Letzterer reichte fast bis an der Unterkiefer heran. Darunter sah sie den Körper einer perfekten anonymen Figur; glänzend, wohl geformt, erotisch. Charlotte drehte sich zur Seite, sah wie das Licht über ihre Kurven glitt. Dann hob sie ihre Arme über ihren Kopf und spürte wie der Druck des Anzugs auf der Brust und dem Rücken stärker wurde. Charlotte ließ mit einem leisen Seufzer ihre Arme wieder nach unten gleiten.
„Es ist... überwältigend“, flüsterte sie. Ihre Stimme klang irgendwie belegt. „Jeder einzelne Schritt fühlt sich... unanständig an. Als würde man mich überall auf einmal berühren.“
Sie machte noch ein paar bewusste Schritte und genoss dabei das intime Gleiten des Gummis auf der eigenen Haut. Dieses Material, welches sie so vollständig umhüllte, fest im Griff hatte, und dennoch ihr die perfekte Freiheit erlaubte.
Pastor White beobachtete Charlotte aus respektvoller Entfernung. Er hatte seine Hände gefaltet. Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen, als er ihre Freude sah.
Charlotte blieb vor ihm stehen. Ihre Wangen leuchteten rötlich. Sie schaute ihn mit einer gewissen Entdecker - Lust an. Sie griff nach oben und berührte den Stehkragen. Dann blickte sie auf die Latexmaske, die immer noch auf dem Tisch lag.
„Würden sie… würden sie mir helfen die Latexkopfhaube aufzusetzen?“, fragte sie leise, fast schüchtern. „Ich möchte gerne wissen wie es sich anfühlt komplett in Gummi eingeschlossen zu sein. So wie sie.“ Charlotte zeigte auf die Puppe. Dann schaute sie dem Pastor in die Augen und sagte: „Bitte.“
Er nahm die Latexmaske vom Tisch herunter und fragte leise: „Bist du dir sicher?“
„Ja“, hauchte sie.
Die Latexmaske hatte keinen Reißverschluss. Der Pastor dehnte die Halsöffnung und zog die Maske vorsichtig über Charlottes Kopf. Er achtete darauf dass die Augenöffnungen, die kleinen Nasenöffnungen und die ovale Mundöffnung an den richtigen Stellen waren. Das Latex legte sich mit einem sanften „Quietschen“ auf Charlottes Gesicht, umrahmte ihre Gesichtszüge und verbarg die Haare.
Charlotte drehte sich langsam zum Spiegel herum. Die Frau, die aus dem Spiegel zurück schaute, war anonym, puppenartig, perfekt. Charlotte gab einen Ruf des Erstaunens von sich. Es klang halb lachend, halb stöhnend.
Pastor White trat einen respektvollen Schritt zurück und beobachtete sie mit stiller Ehrfurcht. „Wie fühlt es sich an?“, fragte er. Seine Stimme klang unsicher.
Charlotte ging einen Schritt näher an den Spiegel heran. Als sie das tat, spürte sie wieder wie der Anzug sich dehnte und zusammenzog.
„Wie... Ich bin nicht mehr ich selber“, flüsterte sie durch die Mundöffnung der Maske. „Als wäre ich... wie eine… so wie sie.“ Charlotte blickte zuerst zur gefesselten Puppe hinüber, dann zum Pfarrer.
Whites Blick verweilte auf ihr. Die glänzende schwarze Figur war jetzt mit Ausnahme der Augen-, Nasen- und Mundöffnungen vollkommen komplett. In dem Raum war es ganz still. Man hörte nur die leisen typischen Gummigeräusche wenn Charlotte sich bewegte. Jene Geräusche klangen irgendwie surreal.
Charlotte stand für einen langen, atemlosen Moment fast unbeweglich im Raum. Sie spürte den Druck der Latexmaske, wie das Material sanft gegen ihre Wangen und Stirn drückte. Charlotte spürte sogar wie ihr Haar gegen den Kopf gedrückt wurde. Es gab kein Anzeichen mehr von der jungen Frau, die sie gewesen war, als sie den Raum betreten hatte. Der Duft von Latex erfüllte ihre Welt. Charlotte sog mit jedem Atemzug diesen schwülen und intimen Duft in ihre Lungen ein. Ihre Welt hatte sich auf die enge, warme Umarmung des Anzugs und den weichen Lichtglanz auf dem Gummi eingeschränkt.
Charlotte drehte sich zu der Ecke herum, wo die Puppe an der Stange festgeschnallt war. Sie betrachtete ihr „Ebenbild“, welches zur Unbeweglichkeit verdammt an der Stange stand. Charlotte hatte diese Puppe bis dahin noch nicht so intensiv angestarrt. Die Puppe schien nicht mehr wie ein Gegenstand zu sein. Sie sah so… geduldig aus, wartend, perfekt und schweigend… Ergeben.
Ein langsamer, Charlotte erzitternder Schauer lief durch sie hindurch. Das geschah nicht vor Kälte, sondern aus einer tiefen, schmerzenden Erkenntnis heraus, die tief in ihrer Brust begann und nach außen drang, bis ihre behandschuhten Finger für jeden sichtbar anfingen zu zittern. Charlotte machte einen zögerlichen Schritt in Richtung der Stange; dann noch einen. Der Latexganzanzug „quietschte“ leise und verriet ihre Nervosität. Charlottes Hände hoben sich und schwebten unsicher in der Luft, so als ob sie nach Gurten griffen, die noch nicht da waren.
Dann drehte sie sich zum Pastor herum. Ihr Blick war glasig.
„Ich fühle mich… so hilflos wie sie“, flüsterte sie. Ihre Stimme klang aufgrund der kleinen Mundöffnung anders, war kaum hörbar. „So... bloßgestellt, obwohl ich nicht nackt, sondern in Gummi versiegelt bin. Es ist... als ob ich kein Mensch mehr bin, sondern eher ein Objekt der Begierde.“
Charlotte schluckte, was trotz des eng anliegendem Gummi an ihrem Hals , oder vielleicht sogar deswegen, gut zu sehen war.
Dann sagte sie: „Aber das Objekt der Begierde ist noch nicht... komplett.“
Es folgte eine Pause. Charlottes Brust, verborgen unter der glänzenden zweiten Haut, hob und senkte sich schneller.
„Bitte“, fuhr sie fort. Ihre Stimme klang brüchig, zögernd und flehend.
„Ich muss wissen, wie es sich wirklich anfühlt… Aufbewahrt zu werden… oder weggeräumt… Nicht in der Lage zu sein sich bewegen oder sprechen zu können. Keine selbständige Entscheidung zu treffen… Nur hier... festgehalten, an der Stange… und auf sie zu warten.“
Charlottes Knie zitterten, so als ob sie kaum noch aufrecht stehen könnte. Sie schwankte sogar.
„Ich habe Angst“, gab sie mit einem kaum hörbaren Flüstern zu, während sie in seine Augen schaute. „Aber mein Wunsch ist stärker als die Angst. Ich möchte mich vollkommen hilflos fühlen… vollkommen ihnen gehören. Auch wenn es nur für eine Weile ist.“
Eine Träne, gefangen von der Augenöffnung der Latexmaske, verharrte kurz in der Ecke eines Auges, bevor sie über die Maske hinunter kullern konnte.
Charlotte ging einen kleinen Schritt auf den Pastor zu, und der Latexganzanzug gab sein typisches Geräusch von sich, als sie ihm ihre gummierten Hände hin hielt.
„Bitte“, hauchte sie. „Fesseln sie mich so wie sie. Schnallen sie mich an der Stange fest. Auch wenn nur für eine Weile ist. Ich möchte es fühlen… alles. Hilflos, perfekt, ihnen gehörend.“
Charlotte schaute den Geistlichen die ganze Zeit in die Augen. Ihr Blick offenbarte eine verzweifelte Sehnsucht. Charlottes Stimme wurde noch leise und klang fast wie ein Atemzug, als sie mehr hauchte als sprach: „Lassen sie mich bitte auch ihre Puppe sein... bitte. Ich flehe sie an.“
White stand wie versteinert da. Er konnte seine Augen nicht von Charlottes gummierten, glänzenden, schwarzen Gesicht abwenden. Und dann dieser flehende Blick! Seine Hände ballten sich so stark zu Fäusten, dass die Knöchel ganz weiß wurden. Die Luft in dem Raum schien plötzlich ganz stickig zu sein, erfüllt mit dem Duft von Latex. Charlottes Atemgeräusche, hervorgerufen durch die kleinen Nasenöffnungen der Latexmaske, hörten sich viel lauter an als diese tatsächlich waren.
„Charlotte…“, begann er zögernd. Seine Stimme war leise, fast ein Flüstern. Er trat einen halben Schritt zurück. Sein Gesicht war blass als er zwischen ihr und der gefesselten Puppe hin und her schaute. „Das... das überschreitet eine Linie. Du bist meine Haushälterin… um Himmels willen. Wenn das jemand jemals herausfinden würde…“
Aber Charlottes glänzende Augen, halb mit Tränen gefüllt, hielten ihn gefangen. Dieser einzelne Tropfen, der über die glänzende Latexmaske nach unten kullerte, war wie eine Mahnung die junge Frau nicht zu enttäuschen; aber auch seinen eigenen Wunsch zu folgen. Er schluckte hart und versuchte seinen Kragen weiter zu machen, obwohl das keine Erleichterung bezüglich der plötzlichen Hitze in diesen Raum bot.
„Ich könnte alles verlieren“, murmelte er mehr zu sich selber als zu Charlotte. „Die Pfarrei, meine Position, meinen Ruf.“ Doch selbst als diese Worte seine Lippen verließen, zeichnete sein Blick die makellosen Kurven ihrer latexbekleideten Körperform nach, die Art und Weise, wenn das Licht wie eine lebende Skulptur über sie tanzte. Ihre Verletzlichkeit, das zitternde Plädoyer, das Eingeständnis der Angst vermischt mit Sehnsucht rührte etwas tief in ihm. Es war wie der Spiegel seiner eigenen verborgenen Sehnsüchte.
Er schloss kurz die Augen und versuchte tief einzuatmen, was aber nicht so wirklich gelang. Als er seine Augen wieder öffnete, hatte die innere Entschlossenheit seine Gesichtszüge verhärtet, obwohl seine Hände immer noch leicht zitterten.
„Also gut“, sagte er schließlich. Seine Stimme war leise und klang resigniert. „Aber nur für eine kurze Weile, so wie du es gesagt hast. Und nicht vergessen: Du kannst es jederzeit stoppen. Du musst es mir nur sagen.“
Charlotte nickte langsam. Ihr Körper entspannte sich vor Erleichterung.
Der Pastor ging zuerst zu der Puppe hinüber, mit der alles angefangen hatte. Seine Bewegungen waren vorsichtig, so als ob er mit etwas Heiligem umgehen würde. Die senkrechte Stange, an der sie befestigt war, war nicht am Fußboden befestigt. Sie war stattdessen auf einer stabilen Holzplattform befestigt. Rollen unterhalb der Plattform ermöglichten das Verschieben, Beziehungsweise das Verstecken in dem hohen Kleiderschrank. Er löste einen Riemen nach dem anderen. Er begann mit den breiten Lederriemen an den Fußknöcheln, dann den Knien, den Oberschenkeln, der Taille, der Brust, den Armen und am Hals. Jedes Lösen wurde von einem leisen Klicken begleitet.
Die Puppe sackte leicht zusammen. Er hob sie mit geübter Sorgfalt von der Stange und trug sie wenige Schritte zu einem kleinen Sessel, wo er sie vorübergehend hinsetzte. Der leere Blick der Puppe war auf die Wand gerichtet.
Dann schob er die gesamte Plattform samt Stange in die Mitte des Raumes und verriegelte die Rollen, damit alles wieder sicher stand.
„Komm’ bitte her“, sagte er ruhig und reichte Charlotte die Hand.
Sie kam mit unsicheren Schritten näher. Die Reibung der Oberschenkel ließen den Latexganzanzug leise „flüstern“ und gleichzeitig neue Wellen herrlicher Empfindungen durch sie hindurch schicken.
Er stellte Charlotte mit dem Rücken zur Stange hin, woraufhin der Druck des kalten Metalls sofort durch das dünne Gummi hindurch auf der Wirbelsäule zu spüren war. Ein starker Kontrast zur Wärme des Anzugs.
„Die Arme bitte an die Seiten“, wies er sie an. Seine Stimme blieb ruhig als er in das Ritual fiel, welches er zuvor stets mit seiner Puppe getan hatte. Charlotte befolgte seine Anweisung. Ihr Herz klopfte so stark, dass sie es bis in die Ohren hörte.
Der Pfarrer begann mit Charlottes Fußknöcheln. Er wickelte einen breiten Ledergurt um diese sowie um die Stange herum und zog den Riemen fest an. Der Druck war sofort zu spüren; fest und unnachgiebig. Charlottes Füße waren an Ort und Stelle fest verankert. Als nächstes kamen ihre Knie an die Reihe. Der Riemen zog ihre Beine zusammen. Der Ganzanzug wurde komprimiert und verstärkte das Gefühl der Einengung.
Der Pfarrer arbeitete sich weiter nach oben vor.
Als sich weitere breite Lederriemen an den Oberschenkeln in das weiche Gewebe aus Gummi und Fleisch „bissen“, spürte Charlotte ein Gefühl, das elektrischen Stromstößen gleichkam. Das gleiche prickelnde und erotische Gefühl spürte sie, als ihre Taille zusammengedrückt wurde und ihre Atmung leicht einschränkte. Der nächste Lederriemen, direkt unterhalb der Brüste, war zwar eng, aber wiederum nicht so eng dass ihre Atmung gefährdet war.
Charlotte spürte, wie die Welt um sie herum immer kleiner wurde. Jede Schnalle klickte wie ein Schloss, das geschlossen wurde und somit ihr Schicksal besiegelte.
Charlottes Arme wurden nach hinten gezogen und dort, hinter der Stange, an den Handgelenken und den Ellbogen jeweils zusammen geschnallt.
Schließlich war der Hals an der Reihe. Ein sehr breites Lederhalsband drückte Charlottes Kopf gegen die Stange und machte ihn somit unbeweglich. Aber auch hier achtete der Pfarrer darauf dass Charlotte weiterhin gut atmen konnte.
Als er zurücktrat, war Charlotte wie die vorherige Puppe gefesselt: Aufrecht, hilflos, die Körperform noch stärker betont. Der glänzende schwarze Latexanzug spiegelte das schwache Licht des Raumes in allen Facetten wider.
Charlotte testete ihre Fixierung. Sie konnte sich so gut wie nicht bewegen, und wenn doch, stieß sie sofort auf unnachgiebigen Widerstand. Die Lederriemen machten sie perfekt unbeweglich. Ihr Körper war jetzt nur noch eine gefangene Skulptur. Der Latex knarrte schwach bei ihren flachen Atemzügen, aber jede noch so winzige Bewegung war nun unvergesslich. Das Gefühl der Hilflosigkeit überschwemmte sie. Sie war nun den Wünschen und Begierden des Pfarrers total ausgeliefert.
„So“, sagte er leise. Seine Blicke streiften mit einer Mischung aus Ehrfurcht und etwas Dunklerem über sie. „Du bist jetzt... genau so wie sie.“
Charlottes Augen schauten ihn durch die Öffnungen der Maske an. Sie flüsterte und etwas dumpf klingend durch die ovale Mundöffnung: „Bitte... Ich möchte, dass sie mich so behandeln, als wäre ich nur noch eine Puppe. Ich möchte nicht anders behandelt werden. Reinigen sie mich... bringen sie mich auf Hochglanz… als ob ich ihnen gehören würde. Ihre Puppe, die sie pflegen und an der sie sich erfreuen.“
Er zögerte erneut, aber nur kurz. Er nickte langsam und nahm ein weiches Tuch sowie eine Flasche mit Silikonpolitur aus dem Kleiderschrank. Er tat das gleicher was er sonst bei der „Originalpuppe“ tat.
Als er sich seiner an der Stange fest fixierten Puppe näherte, spritzte er etwas von dem Silikonöl auf das Tuch. Dann stellte er sich direkt vor Charlotte hin, und begann an ihren Schultern methodisch in langsamen, kreisenden Bewegungen das Öl auf der Gummihaut zu verteilen. Der Pfarrer polierte mit den Tuch Charlottes Haut so lange, bis der Latexganzanzug einen spiegelartigen Glanz bekam.
Charlotte spürte jede Berührung, den Druck des Polierens. Es fühlte sich alles viel intensiver an.
Der Pfarrer machte an den Armen weiter und polierte auch diese bis hinunter zu den Latexhandschuhen. Er hörte erst auf, als Charlottes Arme, Hände und Finger wie ein Obsidian glänzten.
Dann war Charlottes Brust an der Reihe. Das Tuch, das ihre komprimierten Brüste umkreiste, verweilte dort vielleicht einen Bruchteil länger als nötig. Doch die Reibung ließ die Brustwarzen schnell noch härter hart werden, während Charlotte ein halb ersticktes Keuchen entfleuchte.
Der Pfarrer behandelte sie wie gewünscht. Er sagte kein Worte, reagierte weder auf die sichtbar gewordenen Brustwarzen, noch auf das unterdrückte Keuchen. Charlotte war nur ein Objekt, das perfektioniert werden musste. Er polierte Charlottes gummierte Taille und ihre Hüften, bis diese wie frisch lackiert aussahen. Das Licht der Zimmerlampe wurde unglaublich vielfältig reflektiert.
Charlottes Oberschenkel waren als nächstes an der Reihe. Das Tuch tauchte so weit zwischen ihre zusammengedrückten Beine ein, wie es die Riemen erlaubten. Die intimen Berührungen ließen die gefesselte Frau zusammenzucken, aber nicht vor Schreck, sondern vor Vergnügen.
Schließlich wurden die Beine und Füße poliert bis sich auch dort der Lichtschein perfekt widerspiegeln konnte.
Als er fertig war, trat er zurück und betrachtete sein Werk. Charlotte stand vor ihm, gefesselt und poliert. Sie war jetzt ein Zwilling von der Puppe, welche zuvor auf den Stuhl verbannt worden war.
Der Glanz ließ Charlotte noch mehr wie ein Gegenstand aussehen; schön, still, nur für seinen Anblick existierend.
Eine merkwürdige Ruhe überkam sie, gepaart mit einer schmerzenden Erregung, der sie nicht entkommen konnte. Sie konnte sich nicht einmal mehr kratzen oder dergleichen. Charlotte stand, oder hing, je nachdem wie man es sah, mittels kräftiger Lederriemen an einer senkrechten Stange fixiert und atmete ganz flach. Sie genoss die davon hervorgerufene Erregung und fühlte sich nicht mehr als Charlotte, die Haushälterin. Und in dieser Stille wartete sie, so wie es halt eine Puppe tun sollte.
Als er zurücktrat, um sein Werk zu bewundern, ergab sich Charlotte vollständig ihrer strengen und sie doch so erregende Fixierung. Die Welt außerhalb der Latexhaube verengte sich zu einem Tunnel aus gedämpften Klängen und verstärkten Empfindungen. Ihr Körper war eine gefangene Symphonie aus Druck, sanften Reiben der Gummihaut, und einem leisen pochenden Bedürfnis.
Die Lederriemen hielten sie unerbittlich fest und gruben sich sogar ein wenig in die glänzende Gummihaut ein, um Charlotte bei jedem flachen Atemzug an deren Anwesenheit zu erinnern.
An den Fußknöcheln, drückten die untersten Lederriemen Charlottes gummierte Füße gegen das langsam erwärmte Holz des kleinen fahrbaren Podest. Jede ihrer minimal möglichen Gewichtsverlagerungen wurden mehr oder weniger im Keim erstickt. Ihre Knie waren ebenfalls zur Unbeweglichkeit verdammt, da diese mittels eines Lederriemens fest miteinander, und zusätzlich mit der Stange, verbunden waren. Der Lederriemen, der Charlottes Oberschenkel zusammendrückte, erzeugte einen konstanten, intimen Druck, der die in dem Ganzanzug gefangene Hitze noch stärker werden ließ. Wenn Charlotte ihre Oberschenkelmuskulatur anstrengte um gegen den Riemen anzukämpfen, erzeugte dieses zwecklose Unterfangen ein leises Knarren oder Quietschen der Gummihaut, was sich fast wie ein Flüstern anhörte.
Charlotte spürte in sich einen Kampf widersprüchlicher Empfindungen. Der Taillenriemen fungierte wie ein Korsett, nahm ihr den Atem, weswegen sie schnelle, kontrollierte Atemzüge durch die kleinen Nasenöffnungen der Latexmaske machen musste. Und diese Luft roch bei jedem Atemzug immer stärker nach dem warm gewordenen Gummi. Diese neue Erfahrung ließ Charlotte noch tiefer in ihre Welt der süßen Hilflosigkeit versinken.
Unten drückte der dort nahtlose Latexganzanzug in Charlottes empfindlichen Schritt hinein. Dieser Druck war bei dem sorgfältigen Polieren der Gummihaut noch stärker geworden. Die zuvor erlebte Reibung von den ersten Schritten verwandelte sich in ein permanentes, nicht zu ignorierendes Pochen. Jedes unfreiwillige Zucken, jeder Puls ihres Herzschlags, schickte Mikroschauer durch den Latexganzanzug. Ein quälendes Echo des Vergnügens, dem sie nicht entkommen konnte.
Der Brustgurt hob und komprimierte ihre Brüste. Die polierte Oberfläche reflektierte das Licht bei jedem Auf und Ab ihres Brustkorbs. Ihre Brustwarzen, die bereits durch die innere Liebkosung des Anzugs hart geworden waren, „litten“ nun unter dem von dem Lederriemen zusätzlichen Druck. Die Atembewegungen fühlten sich nun wie ein absichtliches „Hänsel“ an, was wiederum eine chaotische Mischung aus Schmerz und Ekstase erzeugte und Charlotte nicht sagen konnte wo das eine begann und das andere endete.
Charlottes Arme, an Handgelenken und Ellbogen zusammen geschnallt, wurden gegen die kühle Metallstange gedrückt. Charlottes Hände, verborgen in hautengen Latexhandschuhen, waren somit nur noch „nutzlose“, aber perfekt aussehende und stark glänzende Accessoires. Charlotte bewegte immer wieder ihre Finger und Hände um das Gummi zu spüren. Wenn sie versuchte ihre Arme zu bewegen, spürte sie sofort die Lederriemen. Und das machte ihr sofort klar wie Hilflos sie war, was wiederum eine Welle der Erregung durch ihren Körper gleiten ließ.
Das Lederhalsband war die Krone von allem. Es war breit, sehr steif und hielt ihren Kopf zur Unbeweglichkeit verdammt aufrecht. Das Lederhalsband war sogar so breit, dass es gegen Charlottes Kinn drückte und somit ihren Kopf leicht anhob. Charlotte konnte geradeso geradeaus gucken.
Die Latexmaske war überall so intensiv zu spüren, als ob diese ein wenig zu eng wäre. Der leichte Druck auf den Wangen war aber irgendwie schön und erinnerte sie wie all die anderen Dinge daran dass sie vom Scheitel bis zur Sohle in Gummi verpackt war.
In Charlotte drehte sich ein Hurrikan der Emotionen. Da war zum Beispiel Angst. Ja! Eine prickelnde Angst aufgrund der absoluten Verletzlichkeit, hervorgerufen von dem Wissen, dass sie nichts mehr unter Kontrolle hatte. Es gab aber auch dieses herrliche Gefühl einer berauschenden Kapitulation, der Befreiung von sämtlicher Verantwortung. Sie stand einfach nur in einem Raum, war gefesselt und poliert worden, weil sie nichts anderes mehr war als ein Objekt der Schönheit. Ein Objekt, geschaffen um betrachtet zu werden. Ein Objekt das einfach nur auf die Dinge warten musste, die da auf sie zukommen würden; oder ach nicht. Charlotte spürte in sich eine immer stärker werdende Erregung. Dieser Zwang verwandelte ihre Unbeweglichkeit in ein langsam brennendes Feuer.
Die Zeit verschwamm, Sekunden wurden zu Minuten, während sie dort stand. Die Empfindungen hörten einfach nicht auf. Druck, Wärme, Pochen, Gummi- Quietschen… All das stürmte auf Charlotte ein, bis ihr Geist in einem Dunst unterwürfiger Glückseligkeit versank. Sie war jetzt seine Puppe, perfekt und still. Und in dieser Konstellation fand sie einen seltsamen, berauschenden Frieden.
Als White von der polierten und gefesselten Figur, zuvor Charlotte, zurücktrat, sah er eine makellose fast leuchtende Obsidian- Statue auf einer hölzernen Plattform. Seine Hände zitterten leicht, während er immer noch das Poliertuch und die Flasche mit der Politur festhielt. Er legte, Beziehungsweise stellte, beides mit großer Sorgfalt auf den Tisch, so als ob jede plötzliche Bewegung die fragile Realität, die sich vor ihm entfaltete, zerstören könnte. Seine Augen verweilten auf ihr. Die Riemen hielten sie fest und unbeweglich. Der Latexganzanzug und die Latexmaske umarmten jede Kurve mit gnadenloser Präzision. Ihr maskiertes Gesicht war ihm zugewandt. Er sah glänzende Augen in den kleinen Öffnungen. Sie war perfekt, absolut perfekt.
Aber auch in ihm tobte ein Sturm.
„Das ist Wahnsinn“, dachte er.
Sein Herz hämmerte mit einem Rhythmus, der die Predigten widerhallte, die er gegen die Versuchung predigte. Er war Victor White, Pastor Victor White, eine Säule der evangelischen Gemeinde, ein Mann der Gottes Worte unter das Volk brachte, DIE moralische Instanz der Gemeinde. Jahrelang hatte er seine Wünsche auf die stumme Puppe beschränkt: Ein Objekt, ein harmloses Ventil für die Triebe, die ihn seit dem Priesterseminar heimgesucht hatten, als er zum ersten Mal in einer Schublade auf diese illegalen Zeitschriften gestoßen war. Die Puppe urteilte nicht, sprach nicht, verführte ihn nicht zur Sünde. Es war sicher. Enthaltsam. Ein Geheimnis, das er in diesem Raum einschließen konnte, wie die abgenutzte Bibel auf seinem Schreibtisch unten, deren Seiten von Eselsohren an Passagen über Zurückhaltung und Reinheit verunstaltet wurden.
Aber hier und jetzt war Charlotte, lebend, atmend, willens. Sie war jung, lebendig, mit ihren ihm offenbarten Geheimnissen, die seine eigene „Dunkelheit“ widerspiegelten. Ihr Plädoyer hatte ihn durchbohrt. Die Verletzlichkeit in ihrer Stimme, die Träne, die über die Latexmaske gekullert war. Es rührte etwas Urgewaltiges in ihm, einen Hunger, den er mit dem Alltag aus Gebet und Pflicht lange unterdrückt hatte.
„Sie will das“, flüsterte eine heimtückische Stimme ihn in den Sinn. „Sie bettelt darum. Du zwingst sie nicht. Du... hilfst ihr sich zu erforschen, so wie sie dir geholfen hat, indem sie dein Geheimnis bewahrt hat.“
Jene Gedanken schickten eine Flut der Wärme durch ihn hindurch. Sein Kragen fühlte sich plötzlich zu eng an. Seine Haut prickelte. Er konnte sich bereits vorstellen, sie später in den Kleiderschrank zu schieben, sie wie seinen geschätzten Besitz zu verwahren, sie in seinen heimlichen Momenten zu besuchen um sie zu bewundern, zu berühren...
Nein! Nein! Nein!
Schuldgefühle stürzte über ihn herein, kalt und ernüchternd. Sie war seine Angestellte, gerade erst die Schule abgeschlossen, in dieser ruhigen Pfarrei um seinen Haushalt zu führen. Welcher Mann, oder genauer gefragt, welcher Priester würde das ausnutzen? In der Gemeinde wurde bereits darüber getuschelt, dass eine junge Frau alleine im Pfarrhaus…
Wenn das herauskäme, wäre er ruiniert, müsste ins Kloster gehen. Er würde alles verlieren was er aufgebaut hatte. Und das betraf vor allen Dingen den fragilen Frieden, den er mit seinen eigenen Dämonen geschmiedet hatte.
Und Charlotte? Die süße, neugierige Charlotte? Könnte er in Frieden weiterleben, wenn sie daran zerbrechen würde, wenn ihr Vertrauen in ihn zu einem Bedauern werden würde?
Er schritt langsam um die Plattform herum. Seine Augen verfolgten den Glanz, den er gerade hergestellt hatte, die Art und Weise, wie sich das Licht auf ihrer gefesselten Körperform verfing. Der Wunsch kämpfte gegen Furcht. Dieser Nervenkitzel der Kontrolle jetzt zwei Puppen zu haben. Eine leblos und eine vor Leben pulsierende Puppe.
„Vergib mir, Herr“, flehte er in Gedanken, aber die Worte fühlten sich hohl an, befleckt von der Erregung, die sich in seinem Lenden bildete.
Er blieb vor ihr stehen, nah genug, um ihre gedämpfte Atemzüge zu hören, um das von den Lederriemen im Zaun gehaltene immer wiederkehrende Erzittern der Gummipuppe zu sehen.
„Du bist so schön“, murmelte er schließlich. Seine Stimme klang brüchig. Er sprach nicht so ruhig und bestimmt wie er es sonst mit seiner Puppe getan hatte, denn ihn quälten Zweifel. „Aber... bist du dir sicher? Wirklich sicher?“
Ihre Augen trafen die seinen. Ihr Blick war ruhig. Und in diesem Blick sah er sein eigenes Spiegelbild. Er sah einen Mann, unsicher, aber dennoch zu Erlösung und Hingabe hingezogen. Der Konflikt brannte ungelöst in ihm weiter, als er seine lebendige Puppe betrachtete.
„Ich fürchte, ich muss dich jetzt erst einmal alleine lassen, wenn du nichts dagegen hast. Ich muss meine Predigt über die Versuchung beenden, die angesichts der aktuellen Umstände sehr angemessen erscheint“, sagte er zu ihr. „Aber ich lasse die Tür offen. Du kannst rufen, wenn ich dich befreien soll.“
Charlotte, längst in ihrer eigenen Welt verloren, nickte nur. Sie war zufrieden noch eine Weile in diesen Raum, in diesem Outfit und in dieser Fesselung verweilen zu dürfen.
Mit einem letzten Blick auf die frischgebackene Gummipuppe verließ er den Raum und ging zu seinem Arbeitszimmer.
Während der nächsten Stunden versuchte er sich auf seine Predigt zu konzentrieren. Das gelang ihn aber nicht so recht, weil er ständig an die gummierte Frau denken musste, die jetzt an der Stange fixiert war und die er wie seine andere Puppe behandeln sollte. Sie sah in jeder Hinsicht wie ein Puppen-Zwilling aus und er begann sich zu fragen warum er ihrer Bitte zugestimmt hatte. Aber dann argumentierte er es für sich so, dass sie es gewollt und allem zugestimmt hatte.
Seine Gedanken wurden unterbrochen, weil er eine Autotür zuschlagen hörte. Als er aus dem Fenster schaute, sah er den Bischof und einen anderen Geistlichen aus einem Fahrzeug aussteigen. Er geriet sofort in Panik. Die beiden durften auf gar keinen Fall seine wie eine Gummipuppe gekleidete und obendrein gefesselte Haushälterin sehen. Er eilte die Treppe hinauf und betrat den Raum. Charlotte sah total zufrieden aus und schaute ihn mit Freude in ihren Augen an.
„Es tut mir leid, der Bischof ist unerwartet aufgetaucht, und ich kann nicht zulassen, dass man dich so findet.“ Seine Stimme war voller Panik und er schaute zur Tür zurück, weil dort Stimmen von unten zu hören waren. „Wir müssen dich verstecken, und zwar schnell!“
Charlottes Herz raste unter dem engen Latex. Ihr gefesselter Körper konnte nichts anderes tun, als ihn mit vor Schreck weit aufgerissenen Augen anzuschauen. Die Riemen machten sie unbeweglich. Aber im Inneren machte sich eine Mischung aus Angst und Nervenkitzel breit. Da waren die Angst vor der Entdeckung als auch ein gewisser Nervenkitzel aufgrund der Situation. Sie nickte so gut sie konnte. Das breite Lederhalsband beschränkte ihre Kopfbewegung auf eine schwache Neigung.
White schob das Podest samt der Stange und Charlotte auf den Rollen zum Schrank. Doch dann fiel sein Blick auf die Mundöffnung der Latexmaske und er hielt inne.
„Du könntest... versehentlich ein Geräusch machen. Der Bischof könnte es hören. Ich muss dich... knebeln, um dich ruhig zu halten. Aber nur bis sie weg sind.“
Charlotte stockte der Atem. Das soeben Gehörte ließ das Gefühl der Hilflosigkeit noch stärker werden. Ein Knebel? Das würde ihren Mund vollständig versiegeln, sie endgültig eine wahre stumme Puppe werden lassen. Es flackerte kurz Widerwillen in ihrem Blick auf, denn da war die Angst vor dem Unbekannten. Doch dann gewann wieder einmal das berauschende Gefühl der Unterwerfung. Das war es doch, was sie verlangt hatte! Sie wollte seine Puppe sein. Sie wollte hilflos sein und wenn er es wollte dann wurde sie eben weggestellt. Sie nickte wieder, diesmal langsamer, aber sie stimmte zu.
Er holte aus der Tiefe des Kleiderschranks einen schwarzen Latex- Ballknebel heraus. Er war schlicht und passte zu dem Ganzanzug. „Mund auf“, flüsterte er eindringlich. Seine Finger zitterten, als er den Ball durch die ovale Mundöffnung der Latexmaske hindurch in ihren Mund hinein drückte und danach die beiden Knebelriemen hinter ihrem Kopf zusammen schnallte.
Die Gummikugel füllte ihren Mund, drückte ihre Zunge nach unten, reduzierte ihre Möglichkeit der Kommunikation auf ein gedämpftes Summen. Speichel sammelte sich fast sofort in ihrem Mund an. Der Geschmack von Latex wurde ganz intensiv. Der Unterkiefer schmerzte leicht, weil der Mund so weit geöffnet wurde. Charlotte testete den Knebel, aber es war nur ein leises, fast unhörbares Wimmern zu hören. Sie war eine Puppe geworden und es herrschte endgültige Stille.
Der Pastor war zufrieden und rollte die Plattform in das geräumige Innere des Kleiderschranks hinein. Jene Bewegung übertrug sich natürlich auf die darauf fixierte Gummipuppe, deren Lederriemen leise knarzten. Der kühle, dunkle Raum umhüllte sie. Die Regale mit zusammengefalteten Gegenständen und hängende Kleidungsstücke berührten ihren glänzenden Körper, als er sie an der Rückwand positionierte.
Bevor er die Schranktüren schloss, konnte Charlotte durch den Türspalt sehen, wie der Pastor die ursprüngliche Puppe vom Stuhl herunter nahm. Deren Arme und Beine baumelten schlaff herum. Er eilte zum Bett, kniete davor nieder, zog eine darunter verborgene große Schublade heraus und legte die Puppe in eine dafür vorgesehene weicher Polsterung hinein. Er achtete sorgfältig darauf, dass die Gliedmaßen ordentlich lagen und schob die Schublade wieder unter das Bett. Nun war diese Puppe auch versteckt. Anschließend schloss er schnell die Schranktüren und Charlotte versank in absoluter Dunkelheit. Sie hörte das Klicken eines Schlosses. Der Schrank war abgeschlossen und Charlotte darin versiegelt.
In diesem kleinen Raum wurde es schnell stickig. Die Atemluft roch unglaublich stark nach Gummi. Die Lederriemen waren plötzlich viel stärker zu spüren als zuvor. Der Knebel besaß eine konstante und aufdringliche Präsenz. Charlotte hatte plötzlich Probleme mit dem Schlucken, bekam es aber schnell in den Griff. Es gab kein Licht, kein Ton, sondern nur ihren eigenen Herzschlag, sowie das leise Knarren von Gummi und Leder. Sie war wie ein illegales Spielzeug versteckt worden. Und dieses Spielzeug war sein Geheimnis, sein Objekt, das er nach Belieben wieder herausholen konnte.
Diese Erkenntnis überschwemmte sie. Sie war nicht mehr Charlotte. Sie war jetzt wirklich seine Puppe, versteckt im Dunkeln und darauf wartend wieder benutzt oder ausgestellt zu werden. Der Gedanke schickte einen Schauer der Erregung durch ihren gefesselten Körper. Ihr Geist driftete im Laufe der Minuten in einen Dunst der objektivierten Glückseligkeit ab.
White eilte nach unten, zog seinen Kragen zurecht und setzte ein einladendes Lächeln auf, als er die Haustür öffnete.
„Ah! Bischof Hargreaves! Und sein Sekretär Ellis! Was für ein unerwartetes Vergnügen“, sagte er. Seine Stimme klang ruhig, obwohl sein Herz immer noch heftig schlug. „Kommt herein. Ich habe gerade meine Predigt beendet.“
Der Bischof, ein großer, strenger Mann in den späten sechziger Jahren mit scharfen grauen Augen, die nichts zu verpassen schienen, trat über die Schwelle, gefolgt von seinem jüngeren Sekretär. Sie zogen im Flur ihre Mäntel aus. White bemerkte, dass der Blick des Bischofs einen Bruchteil länger als üblich auf der Treppe verweilte.
„Victor“, begann der Bischof ohne große Vorrede. Sein Ton war höflich, aber mit Nachdruck. „Wir waren in der Gegend und wollten uns mal in der St. Agnes' Diözese umschauen. Es gibt da nämlich ein… ein Gerede oder gar ein Gerücht.“
White wurde es ganz flau im Magen. „Gerede, Euer Ehren?“
Der Sekretär Ellis räusperte sich unbeholfen, aber der Bischof fuhr fort zu reden, während er ins Wohnzimmer ging, so als wollte er alles inspizieren. „Ja. Natürlich nichts Konkretes, aber mehrere Gemeindemitglieder haben erwähnt, deine junge Haushälterin hier ziemlich oft zu sehen, und dass du Freitags ziemlich lange alleine hier im Haus bist. Frau Langley, vom Christlichen Frauenverein, hatte da ein paar Andeutungen gemacht. Sie deutete an, dass das Mädchen mehr Zeit im Obergeschoss verbringt, als für die Reinigung unbedingt notwendig erscheint.“
White versuchte ein heiteres Lachen von sich zu geben, was dann aber doch gekünstelt klang. „Charlotte ist eine ausgezeichnete Reinigungskraft, die sich große Mühe gibt. Das Pfarrhaus ist groß. Und wie sie wissen, hat die Gemeinde nicht genug Geld um eine Vollzeitkraft zu bezahlen. Aber, sie gibt sich dennoch große Mühe und ist sehr gewissenhaft. Mit anderen Worten: Sie arbeitet oft länger als sie sollte.“
Der Bischof drehte sich herum und schaute ihn mit diesem durchdringenden Blick an. „Gewissenhaft. Das sehe ich.“ Er hielt inne und schaute zur Decke hinauf, so als könnte er durch sie hindurch schauen. „Und wo ist die junge Dame heute? Es ist doch Freitag, nicht wahr?“
White dachte fieberhaft nach. „Sie... hat heute eher Feierabend gemacht. Ihre Mutter brauchte sie zu Hause.“
Sekretär Ellis schien das ganze unangenehm zu sein, aber der Gesichtsausdruck des Bischofs verriet nicht was er dachte. „Merkwürdig. Frau Langley hat geschworen dass sie die junge Dame heute Morgen kommen und danach nicht mehr gehen gesehen hat.“
White spürte wie Schweiß an seinen Schläfen prickelte. „Vielleicht ist sie hinten rausgegangen. Sie wissen doch; das Gartentor.“
Der Bischof nickte langsam, aber seine Augen verengten sich. „Vielleicht. Dennoch breitet sich Klatsch in diesen Dörfern schnell aus, Victor. Die Zungen lästern bereits über einen unverheirateten Geistlichen und einer hübschen jungen Frau unter dem gleichen Dach. Es wäre bedauerlich, wenn ein solches Gespräch formell bis ins Diözesanbüro kommen würde.“ Er ging fast beiläufig auf die Treppe zu. „Ich frage mich, ob wir uns kurz umsehen sollten. Dürfen wir? Nur um meinen Geist zu beruhigen. Mein Sekretär Ellis und ich sind schließlich inoffiziell hier. Ein ganz normaler Pastorats- Besuch.“
White gefror das Blut in den Adern. Im Obergeschoss, im verschlossenen Kleiderschrank, dort war Charlotte, gefesselt, geknebelt und glänzend, sein lebendiges Geheimnis, wie Schmuggelware aufbewahrt. Eine Drehung des Schlüssels, eine geöffnete Tür...
„Natürlich“, hörte er sich selbst sagen. Seine Stimme klang in seinen Ohren wie aus weiter Ferne. „Obwohl ich fürchte, dass das Obergeschoss ziemlich unordentlich ist. Ich habe nämlich den ganzen Morgen an der Predigt für Morgen gearbeitet.“
Der Bischof lächelte gequält. „Wir werden uns nicht um eine kleine klerikale Unordnung kümmern, Victor.“
Und mit diesen Worten setzte er seinen polierten Schuh auf die unterste Stufe.
Charlotte hatte in der rabenschwarzen Dunkelheit des Kleiderschranks schon längst jedwedes Zeitgefühl verloren. Die Luft war stickig und roch nach frischem, warmen Latex sowie der in dem Schrank aufbewahrten Sachen. Sie atmete mit jedem Atemzug dieses berauschende Aroma tief in ihre Lungen ein. Die kleinen Nasenöffnungen der Latexmaske, sowie der wie ein Korsett fungierende Taillen- Lederriemen, zwangen sie langsam und mit Bedacht einzuatmen, so als ob der enge Latexganzanzug und der Lederriemen ihr diesen Rhythmus diktierten.
Der Knebelball füllte ihren Mund aus. Das Ungetüm war eine solide, unnachgiebige Präsenz, die ihre Zunge nach unten drückte und ihr das Schlucken erschwerte. Das wiederum führte dazu, dass etwas Spucke die Außenseiten der Lippen benetzte. Charlotte spürte wie es dort immer mehr wurde. Das zwang sie vorsichtig um die Gummikugel herum alles leise aufzusaugen und dann zu schlucken. Jene verzweifelten Versuche waren eine demütigende Erinnerung daran, dass sie selbst ihren Speichel nicht mehr vollständig kontrollieren konnte.
Die Lederriemen hielten sie gnadenlos fest. Das Leder hatte sich inzwischen genauso wie das Gummi erwärmt. Das hieß aber nicht dass die Lederriemen dadurch etwas nachgegeben hätten. Oh nein! Die Riemen waren immer noch überaus gut zu spüren. Sie „bissen“ sich regelrecht in das Fleisch hinein und drückten ihre Beine von den Fußknöcheln bis zu den Oberschenkeln fest zusammen. Der breite Lederriemen an der Taille sorgte dafür dass Charlotte nur seichte Atemzüge machen konnte. Am intensivsten war jedoch der konstante und nicht zu ignorierende Druck zwischen ihren Beinen, wo das nahtlose Material des Anzugs, inzwischen innen aufgrund der permanenten Erregung ganz glatt und schlüpfrig, mit jeder winzigen, unwillkürlichen Bewegung ihrer Hüften minutiös an ihr drückte und rieb. Charlotte konnte es nicht verhindern. Sie konnte es aber auch nicht intensiver machen um dadurch eine Erleichterung zu bekommen. Die Sehnsucht nach einem Orgasmus wurde langsam unerträglich.
In der Dunkelheit konnte Charlotte an nichts anderes als an ihre gegenwärtige Situation denken.
„Ich bin wirklich hier drin. Weggesperrt. Wie die andere Puppe.“
Jene Gedanken schickten neue Schauer durch ihren fixierten Körper. Sie stellte sich die Originalpuppe vor, jetzt unter dem Bett in einer geheimen Schublade versteckt, gelagert, vergessen, bis sie wieder gewollt war. Und jetzt nahm sie den gleichen Status ein. Sie war in die Dunkelheit geschoben und geknebelt worden, um Stille zu gewährleisten. Und nicht zu vergessen: Sie befand sich hinter einer abgeschlossenen Tür. Sie war jetzt ein Objekt, sein Objekt. Diese Erkenntnis hätte sie erschrecken sollen, aber stattdessen überschwemmte sie sie mit einer unglaublichen Wärme der Zufriedenheit als auch der Erregung.
Charlotte stellte sich den Bischof mit seiner strengen Stimme vor, der jetzt unten nach ihr suchte. Dann war da die Panik des Pastors, bezüglich des Risiko der Entdeckung. Wenn jetzt die Schranktür geöffnet werden würde, wenn jetzt die scharfen kirchlichen Augen auf ihre glänzende, festgeschnallte Figur fielen…
Die mögliche Schande fühlte sich böse, heiß und schwindelerregend an, aber es verstärkte auch das den Pochen zwischen ihren Oberschenkeln. Sie war das dunkelste Geheimnis des Pastors, nicht weit von ihm versteckt, reduziert auf einen glänzenden Gegenstand, der verstaut werden musste als die kirchliche Gesellschaft kam.
„Er hat mich geknebelt“, dachte sie, während ihre Zunge absolut zwecklos gegen den Gummiball drückte. „Er hat mich nicht einmal gefragt. Er hat es einfach getan, weil ich still sein musste. Weil Puppen keinen Lärm machen.“
Der Akt war schnell, fast klinisch gewesen. Aber sie hatte das Zittern seiner Finger gesehen. Er hatte es tun müssen, nein, er hatte es gewollt. Es war ihm wichtig. Er hatte es von sich aus tun müssen. Und sie hatte bereitwillig den Mund geöffnet, weil der Gedanke vollkommen zum Schweigen gebracht zu werden ihre Beine hat schwach werden lassen. Nur die Riemen hatten sie gehalten.
Jetzt, im Dunkeln, spürte sie, wie sie immer tiefer in dieser köstlichen Unbeschwertheit versank. Gedanken an die Außenwelt, ihre Eltern, ihr College und das Dorf verblassten wie entfernte Erinnerungen. Es gab nur noch Latex, welches sich an ihre Haut festklammerte, Lederriemen die ihren Körper beherrschten, einen Knebel der sie verstummen ließ, und die verschlossene Tür die vorübergehend ihre Existenz vor den anderen verbarg.
Ein einziges, gedämpftes Wimmern entkam dem Knebel. Es war weich und bemitleidenswert, wurde aber sofort von den Wänden des Kleiderschranks verschluckt. Niemand würde es hören. Niemand würde kommen, wenn er sich nicht dafür entscheidet. Und in diesem Moment, versiegelt wie ein verbotener Schatz, fühlte Charlotte einen überwältigenden, berauschenden Frieden. Sie war genau dort, wo sie hingehörte: Gelagert, still, glänzend, wartend. Seine Puppe.
White folgte dem Bischof und dessen Sekretär nach oben. Sein Herzschlag donnerte in seinen Ohren wie ein Schuldspruch. Der Pastor nahm jedes Knarren der alten Treppe überaus laut wahr, wie eine Warnung, dass das von ihm erschaffene zerbrechliche Netz der Täuschung jedem Moment zerreißen könnte.
Oben angekommen führte White die beiden durch den Korridor. Er zeigte ihnen mit einer erzwungenen Lässigkeit sein Schlafzimmer und das Gästezimmer. Während er das tat, waren seine Gedanken bei dem verbotenen Raum am Ende des Flurs. Jener Raum mit der gebrochenen Klinke und dem Kleiderschrank, der jetzt sein Lebensgeheimnis verbarg.
Der Bischof steckte seinen Kopf in jeden Raum hinein. Seine scharfen Augen suchten nach etwas Verbotenem, während der Sekretär Ellis schweigend hinter dem Bischof her ging und gelegentlich nickte.
Whites Hände ballten sich auf seinem Rücken. Seine Handflächen wurden ganz nass vor Schweiß. Er fragte sich was geschehen würde, wenn Charlotte jetzt ein Geräusch von sich geben würde, oder was wäre wenn der Bischof auch noch den Schrank überprüfen wollte.
Als er sich das fragte, sah er vor seinen geistigen Augen wie sich die Schranktüren öffneten und Charlottes glänzenden, gefesselten Körper enthüllten. Er sah das Entsetzen des Bischofs und die Schlagzeile der Zeitung.
HORROR SEX- DOLL- ORGIE EINES PFARRERS!
Sie erreichten das Ende des Flurs. Die verbotene Tür stand aufgrund seiner hastigen Reaktionen halb offen. Er hatte sie nicht vollständig geschlossen. White hatte das Gefühl als würde ihm jemand den Hals zudrücken als der Bischof innehielt. Seine Hand schwebte in der Nähe des Türknaufs.
„Was ist hier drin?“, fragte der Bischof. Sein Ton war mild, aber dennoch „bohrend“.
„Das ist nur ein Abstellraum“, antwortete White schnell und trat vor, um die Tür mit einer lässigen Bewegung zuzuziehen. „Alte Pfarrbücher, staubige Kisten, nichts von Interesse. Ich gehe selber selten da rein.“
Die Augen des Bischofs verweilten etwas zu lange auf der Tür. Dann nickte er. „Gut. Weiter geht’s.“
Als sie sich wieder der Treppe näherten, stolperte der Bischof an der gleichen Stelle über den Teppichläufer wie Charlotte an diesem Morgen. Es war genau die Stelle, an der alles begonnen hatte. Der Bischof gab ein überrascht klingendes Grunzen von sich, während er sich gerade so am oberen Ende des Treppengeländers festhalten konnte.
„Um Himmels Willen“, murmelte der Bischof und stellte sich wieder gerade hin. „Der Teppich ist eine Gefahr, Victor. Es muss ersetzt werden, bevor sich jemand noch das Genick bricht.“
White musste sich ein Grinsen verkneifen, während er sich total erleichtert entspannte. Er dankte Gott für dessen Barmherzigkeit und sagte: „Das habe ich auch schon gesagt, Euer Ehren. Gemeindegelder, sie wissen doch…“
Der Bischof machte mit der Hand eine abweisende Geste. „Wir werden bei der nächsten Sitzung über einen kleinen Zuschuss sprechen. Wir können doch nicht zulassen dass unser Geistlicher wie ein Sündiger tief fällt, oder?“ Seine Augen funkelten. War es Humor oder Misstrauen? Er sagte jedenfalls nichts weiteres.
Zufrieden, oder zumindest so aussehend, stieg der Bischof mit seinem Sekretär im Schlepptau wieder die Treppe hinab. Unten angekommen sagte er: „Ich komme noch einmal zurück auf den Tee, den du uns angeboten hast. Hast du auch Kekse? Wir haben nämlich noch eine lange Fahrt vor uns.“
Whites Erleichterung war nur von kurzer Dauer, denn als sie sich in der Küche niederließen, begann der Bischof eine ausführliche Diskussion über Diözesanfragen, Budgets, bevorstehende Feiertagen und die neuesten theologischen Debatten. Der Sekretär warf gelegentlich ein, dass es eigentlich nur ein kurzer Besuch hätte sein sollen. Die Uhr tickte jedenfalls gnadenlos in Richtung Teatime.
Pastor White goss den Earl Grey zwar mit ruhigen Händen ein, aber sein Verstand war oben, im Dunkeln bei der eingeschlossenen Charlotte. „Ob es ihr gut geht?“, fragte er sich während er auf seine Teetasse starrte und mehr oder weniger mechanisch den heißen Tee umrührte. Charlotte war schließlich streng geknebelt und ganz alleine im Kleiderschrank. Wie lange konnte sie noch aushalten? Die Lederriemen müssten sich schon längst in ihren Körper eingegraben haben. Es müsste in dem Latexganzanzug sehr warm geworden sein. Die Zwangshaltung müsste inzwischen garantiert schmerzhaft geworden sein. Ein Teil von ihm war aber von dem Bild, was sie nun bestimmt abgab, total begeistert. Er hatte aber auch gleichzeitig Gewissensbisse. War er mit ihr zu weit gegangen? Was, wenn sie in Panik geriet? Wie lange wollte der Bischof denn noch mit ihm herum diskutieren? Der Pastor schaute zur Decke hinauf, weil er meinte einen gedämpften Schrei gehört zu haben. Aber dem war nicht so.
Der Besuch zog sich hin, jede Minute war ein Test seiner Gelassenheit. Sein Geheimnis hing an einem seidenen Faden.
Endlich! Nach einer Ewigkeit höflicher Gespräche und spitzer Blicke, erhob sich der Bischof vom Küchentisch.
„Nun, Victor“, sagte er, während er im Hausflur seinen Mantel mit bewusster Langsamkeit zuknöpfte. „Ich bin froh zu sehen, dass alles in Ordnung ist. Aber achte stets auf deine Erscheinung. Die Kirche kann vergeben, die Welt aber nicht. Das Leben eines Geistlichen muss über jeden Zweifel erhaben sein, oder zumindest so erscheinen.“ Seine grauen Augen schauten White für einen unangenehmen langen Moment an. „Wir wollen schließlich keine unnötigen... Komplikationen haben.“
White schaffte es nur zu nicken. Seine Kehle war ganz trocken. Doch dann sagte er halb krächzend: „Natürlich, Euer Ehren. Ich werde vorsichtig sein.“
Der Bischof schenkte ihm ein schwaches Lächeln, doch sein Blick war eisig. „Das rate ich dir.“
Nach gemeinsamen Händeschütteln und gemurmelten Abschiedsworten traten die beiden Besucher in die Winterdämmerung hinaus. White schaute ihnen hinterher, bis das Auto immer kleiner und schließlich nicht mehr zu sehen war. Dann schloss er die Haustür, lehnte sich von innen dagegen, und gab ein lautes Stöhnen der Erleichterung von sich.
„Nichts passiert! Jedenfalls für jetzt!“
Dann stürzte die Realität wieder auf ihn ein.
„Charlotte!“
Er stürmte die Treppe hinauf, zwei Stufen auf einmal. Sein Herz hämmerte. Oben angekommen verfing sich sein Fuß in der Eile ironischerweise an der selben Stelle des Teppichs wo alles begonnen hatte. Der Pastor fiel nach vorne. Er versuchte mit den Armen den Sturz abzufangen, schlug aber mit der Stirn gegen die Wand. Er sah Sterne aufblitzen und dann wurde alles schwarz.
Als das Bewusstsein zurückkehrte, war es in dem Haus dunkel und ganz still. Der Mond schien durch eines der Fenster hinein. Draußen war die Dezembernacht schon längst angebrochen. Der Pastor stöhnte und berührte sein Stirn, getrocknetes Blut war zu fühlen. Er fragte sich wie viele Stunden vergangen waren.
Doch dann überkam ihn die Panik, sogar noch stärker als zuvor. Charlotte war seit Mittag gefesselt, geknebelt und eingesperrt. Ihre Eltern hatten ihre Abwesenheit inzwischen sicherlich bemerkt. Eine junge Frau, die den ganzen Tag im Pfarrhaus war und am Abend vermisst wurde, würde viele Fragen aufwerfen. Telefonanrufe! Sogar die Polizei!
Der Pastor rappelte sich auf und taumelte in den verbotenen Raum hinein. Dort ertastete er den Lichtschalter. Er ging zum Kleiderschrank hinüber, drehte mit zitternden Händen den Schlüssel im Schloss herum und riss die Türen auf.
Da war sie, seine glänzende Gummipuppe, immer noch unbeweglich auf der Plattform befestigt, genau so wie er sie verlassen hatte. Das polierte Latex reflektierte das Licht der Zimmerlampe. Die Lederriemen waren alle noch an Ort und Stelle. Ihre Augen, die durch die Öffnungen der Latexmaske sichtbar waren, waren weit geöffnet, aber nicht vor Panik. Sie sahen... fern aus. Der Blick war glasig, so als wäre sie mit ihren Gedanken in weiter Ferne.
Er zog die Plattform aus dem Schrank heraus und schob sie in die Mitte des Raums. Die Rollen rumpelten leise.
„Es tut mir so leid“, plapperte er, während er den ersten Lederriemen löste. „Der Bischof war viel zu lange hiergeblieben, dann bin ich gestolpert und mit dem Kopf vor die Wand… Es sind Stunden vergangen und deine Eltern machen sich bestimmt Sorgen.“
Er löste zuerst den Halsriemen, den Brustgurt und dann den Riemen an der Taille. Er tat es hektisch um sie so schnell wie möglich zu befreien. Aber als die Riemen viel zu schnell gelockert wurden, verspannte sich Charlottes Körper. Ein gedämpftes Stöhnen entkam den Knebel. Es klang eindringlich, fast protestierend. Charlotte hob ihre plötzlich befreite gummierte Hände und legte diese kraftlos auf die seinen. White erstarrte. Langsam und vorsichtig griff er hinter ihren Kopf und löste den Knebelriemen um danach den Gummiball aus ihrem Mund zu ziehen. Dem Knebelball folgte etwas Speichel. Charlotte keuchte, versuchte ihren schmerzenden Kiefer zu bewegen, machte zaghafte Kaubewegungen. Dann ließ sie ihre Zunge über die trockenen Lippen gleiten.
„Charlotte...?“, flüsterte er. Seine Stimme klang bestürzt, ängstlich.
Sie sah ihn an. Ihr Blick war immer noch verträumt. Ihre Stimme war heiser nach dem stundenlangen erzwungenen Schweigen. Charlotte sagte leise: „Meine Eltern sind bis nach Weihnachten weg. Sie denken, dass ich heute Abend bei einem Schulfreund übernachte.“
Er starrte sie verständnislos an.
„Und... ich habe mir keine Sorgen bezüglich der Zeit gemacht“, fügte sie hinzu, gefolgt von einem schwachen aber glückseligen Lächeln. „Das war da drinnen ganz in Ordnung so. Sogar mehr als das. Sie hätten mich nicht herausholen brauchen.“
Sie neigte sich leicht nach vorne, jedenfalls so weit wie es die restlichen Riemen erlaubten, und legte ihren gummierten Kopf sanft auf seine Brust.
„Es hat mir unglaublich gut gefallen“, flüsterte sie, „weggestellt zu werden; als ihr Geheimnis gehütet zu werden. Ich fühlte mich... perfekt. Es war so friedlich. Ich war wirklich nur ihre Puppe.“ Ihre gummierte Hand fand seine Finger, die sich schwach um sie herum kräuselten. „Wenn sie möchten, können sie mich noch ein bisschen länger weggesperrt lassen. Ich würde mich freuen heute Abend ihre Puppe zu sein.“
Er stand bewegungslos da. Die Anspannung fiel von ihm ab und wurde durch etwas Dunkles, viel Gefährlicheres ersetzt, was ihn vor Ehrfurcht erzittern ließ. Die immer noch teilweise gefesselte Gummifigur sah ihn an. Sie wirkte zufrieden, vertrauensvoll, ihm vollkommen ergeben. Und zum ersten Mal seit Jahren fühlte sich Pastor Victor White wirklich, absolut verloren.
Monate waren nun vergangen, und das Geheimnis blühte im Verborgenen des alten Pfarrhauses. Was als ein dummer Zufall an einem Nachmittag begonnen hatte, wurde zu einem sorgfältig gehegten Ritual. Charlottes Reinigungstage wurden länger, und mit Ausreden wie „extra gründliche Arbeiten“ oder „Hilfe beim Papierkram der Pfarrei“ gegenüber neugierigen Dorfbewohnern benannt. An ihren freien Tagen schlüpfte sie im Schutze der Abenddämmerung oder des morgendlichen Nebels durch das hintere Gartentor, Somit entging sie den wachsamen Augen von Frau Langley vom Christlichen Frauenbund.
Pastor White, einst mit Schuldgefühlen behaftet, fand mit diesem Arrangement seinen inneren Frieden. Charlottes eifrige Kapitulation sowie ihre geflüsterten Zusicherungen, dass dies genau das war was wollte und brauchte, beruhigte beider Gewissen. Er sagte sich dass es im gegenseitigen Einverständnis geschah und obendrein vor den anderen verborgen blieb. Niemand wurde verletzt. Und in der Privatsphäre dieses Zimmers im Obergeschoss erlaubte er sich ihre als auch seine Fantasie voll und ganz auszuleben. Sie war nicht mehr Charlotte, die kluge junge Haushälterin. Sie war einfach seine zweite Puppe, die zwar lebte und atmete, aber bereitwillig zu glänzender Perfektion reduziert werden wollte.
Er bestellte online eine zweite bewegliche Plattform, identisch mit der ersten. Das geschah ganz diskret über einem Postfach in einem anderen Dorf. Und so standen zwei Stangen nebeneinander. Es gab zwei glänzende schwarze Figuren, die in stiller Symmetrie nebeneinander standen.
An den Tagen, an denen sie am längsten blieb, war die Routine liebevoll präzise. Sie kam, zog sich schweigend aus und ließ sich bereitwillig einen sauberen Latexganzanzug anziehen. Manchmal war es der ursprüngliche schwarze, manchmal einen der beiden neuen. Er hatte nämlich einen in purpurrot und einen anderen in Metallic - Silber bestellt.
Er verteilte dann Talkum auf ihren Körper und zog ihr danach das noch kühle Gummi darüber. Wenn er den Reißverschluss schloss, genoss er wie sie erzitterte wenn er sie in dem Anzug versiegelte. Die Latexmaske kam als Letztes an die Reihe. Bei besonderen Anlässen gab es eine Latexmaske, bei der ihre flehenden Blicke hinter getönten Gläsern verschwanden.
Dann folgten die Lederriemen an den Fußknöcheln, Knie, Oberschenkel, Taille, Brust, Arme und Hals. Sie stand die ganze Zeit ergeben vor ihm und erzitterte vor Erregung wenn er sie an ihrer Stange festschnallte, wobei das Leder sanft gegen Latex knarrte. Neben ihr stand die ursprüngliche Puppe, die an diesem Morgen poliert worden war, in identischer Zurückhaltung, ein perfekter unbelebter Zwilling.
Sobald beide Puppen gesichert waren, trat er zurück. Er bewunderte das Paar, welches so schön im Schein der Zimmerlampe glänzte. Er ließ sie danach stundenlang so stehen. Manchmal arbeitete er unten an seinen Predigten. Er war aber die ganze Zeit wachsam falls jemand unerwartet an der Tür klopfen würde. Manchmal saß er aber auch einfach nur bei den Puppen im Raum und las oder betete schweigend. Das einzige Geräusch war dann das schwache Knarren oder Quietschen von Latex wenn Charlotte ein und aus atmete. Das klang dann fast so wie das Ticken der Standuhr unten im Wohnzimmer.
Wenn die Nacht hereinbrach, oder wenn die Vorsicht es verlangte, rollte er sie einzeln in den Kleiderschrank hinein, der jetzt mit passenden Schienen ausgestattet war, um beide Plattformen nebeneinander aufzubewahren. Die Türen wurden geschlossen, das Türschloss klickte, und seine lebende Puppe verbrachte die Nacht in warmer, nach Latex duftender Dunkelheit, gefesselt und vollkommen hilflos, genau so wie sie es sich ersehnt hatte.
In diesen langen Stunden der Gefangenschaft driftete Charlotte in einen tiefen, fast meditativen Zustand. Ihr Geist wurde frei und es gab nur noch Empfindung und Hingabe. Die Lederriemen, der Knebel, die unnachgiebige Umarmung von Gummi; all das verstärkte die köstliche Gegenwart. Sie existierte dann nur, um schön, still und von ihm beherrscht zu sein.
Und Pastor White, der jedes Mal wenn er sie in der Morgen- oder Abenddämmerung freiließ ihren glückseligen Blick wahrnahm, hatte es schließlich ebenfalls akzeptiert. Sie war seine Puppe; genau wie der andere. Und in dem stillen Pfarrhaus, versteckt vor dem Dorf und dem wachsamen Bischof, standen beide Gummipuppen nebeneinander; perfekt, identisch und warteten geduldig darauf, wann immer er sich entschied, sie zu bewundern, zu polieren oder wieder weg zu schließen.
Die Jahre vergingen, und das Pfarrhaus blieb ein Zufluchtsort der Geheimnisse.
Pastor Victor White, jetzt in den Vierzigern, hatte sich in ein Leben voller Routinen eingelebt. Das glaubte jedenfalls die Dorfgemeinschaft. Er predigte über Demut, Nächstenliebe und die Gefahren verborgener Wünsche. Seine Predigen zogen jeden Sonntag viele Gläubige an, weil er es mit einer Überzeugung tat, die aus dem persönlichen Prozess geboren schien. Niemand vermutete die Quelle seiner Hingabe.
Charlotte, die erst in ihre späten Zwanziger so richtig aufblühte, war nie wirklich gegangen. Ihre „Teilzeit“ - Rolle entwickelte sich zu etwas unausgesprochenem, aber dauerhaftem: Haushälterin bei Tag, ergebene Puppe nach Absprache. Das Dorf nahm an, dass sie sich einfach entschieden hatte, in der vertrauten Umgebung von zu Hause und Pfarrarbeit zu bleiben. Frau Langleys Klatsch verstummte diesbezüglich und sie „kümmerte“ sich um andere Dinge des Dorfes. Die gelegentlichen Besuche des Bischofs zum Nachmittag Tee mit Gesprächen über die Kirche und Anstand verliefen in aller Ruhe.
Der Altersunterschied, der nur vierzehn Jahre betrug und White stets Gewissensbisse machte, hatte sich aufgrund ihrer gemeinsamen Besessenheit langsam in Luft aufgelöst. Charlotte sah ihn nie einen väterlichen Freund. Sie sah ihn als Master, Hüter, den sanften Architekten ihrer Hingabe. Und er wiederum war gekommen, um sie nicht nur als lebendige Fantasie zu schätzen, sondern als die Frau, die die wahrste Version von sich selbst offenbart hatte.
An einem kühlen Frühlingsmorgen, unter dem alten Eibenbaum auf dem Kirchhof, heirateten sie. Der Bischof amtierte höchst persönlich und strahlte mit väterlichem Stolz als er sagte: „Heute bringe ich zwei ergebene Diener der Pfarrei zusammen.“
Die kleine Gemeinde, meist neugierige Dorfbewohner und eine Handvoll von Charlottes entfernten Verwandten, murmelte die Zustimmung bei der einfachen, traditionellen Zeremonie. Pastor White stand mit hoch erhobenen Haupt, gekleidet in seinem Priestergewand, und seine Stimme klang fest und selbstbewusst, als er das Gelübde sprach. Charlotte strahlte vor Freude. Sie trug ein schlichtes, Elfenbeinfarbiges Kleid mit langen Ärmeln und hohem Hals. Sie lächelte demütig, während ihre in weißen Handschuhe befindliche Hände einen Strauß mit weißen Lilien hielt.
Niemand bemerkte den schwachen Glanz unter der Spitze, oder hörte das dezente Knarren, als sie sie zum Altar ging. Unter dem fließenden Rock und dem „Hochzeitskorsett“ trug sie einen maßgeschneiderten Latex - Halbanzug. Der Anzug war glänzend weiß und reichte von den Zehenspitzen bis direkt unter ihre Brüste. Er hielt sich an Charlotte wie eine zweite, unversöhnliche Haut fest. Der Pastor hatte ihr geholfen sich an diesem Morgen in jene geheime Hülle hineinzuzwängen. Und als er den rückwärtigen Reißverschluss schloss, wurde Charlotte in ihrer engen und schnell warm werdenden zweiten Haut versiegelt. Es gab kein Höschen, keine Strümpfe, nur die glatte, den Körper „zusammendrückende“ Umarmung, die ständig gegen ihre empfindlichsten Stellen drückte. Eine geheime Erinnerung, welche sie bei jedem Schritt daran erinnerte dass sie bereits ihm gehörte.
Die Empfindung war während des gesamten Gottesdienstes eine exquisite Folter gewesen. Das Latex, das sich auf ihre Haut erwärmte, das sie bei jedem Atemzug spürte, vor allen Dingen Bei dem Hinknien, dem Verneigen und den Worten „Ja, ich will“. Die Erregung brodelte tief und stetig in ihr, versteckt hinter ihrem nach außen ruhig aussehenden Brautlächeln.
In dieser Nacht, in der Brautsuite eines ruhigen Landgasthofs, erreichte die Fantasie ihre Vollendung.
White schloss die Tür ab, drehte sich mit dunklen und ehrfürchtigen Augen zu ihr. Langsam, absichtlich langsam, öffnete er das Hochzeitskleid und ließ es wie Blütenblätter zu ihren Füßen hinunter gleiten. Da stand sie nun, seine Braut, im glänzenden weißen Latex. Der Kontrast war sehr stark gegenüber ihrer Haut. Das weiße Spitzenstrumpfband war das einzige Zugeständnis an die Tradition.
Er beendete, was er am Morgen begonnen hatte. Auf dem Bett lag ein Latexganzanzug, pechschwarz, mit angeklebten Handschuhen und Füßlingen. Daneben lag eine Latexmaske.
Talkum, Reißverschluss schließen, Riemen anlegen; alles rituelle Bewegungen, die inzwischen so vertraut waren wie das tägliche Gebet. Als die letzte Schnalle auf der ausziehbaren Stange geschlossen wurde, welche er diskret im Kofferraum des Wagens transportiert hatte, stand sie neben der ursprünglichen Puppe, die er als stiller Zeuge mitgebracht hatte.
Seine Frau.
Seine Puppe.
In der Stille der Hochzeitsnacht polierte er sie langsam, ehrfürchtig, bis sie wie polierter Onyx glänzte. Dann ließ er sie unter dem weichen Lampenlicht wie eine Schaufensterpuppe stehen, während er sich auszog und zusah wie ihre Augen diesen vertrauten, glasigen Blick der glückseligen Hingabe bekamen.
Später, als er sie freiließ, legte er sie auf das breite Bett. Die beiden Latexanzüge knarrten und quietschten sanft. Charlottes Körper war immer noch warm und glatt nach dieser stundenlangen Gefangenschaft. Sie bewegte sich mit ihm in perfektem, geübtem Gehorsam und genoss jede Empfindung, die durch die geheime Zurückhaltung des Tages verstärkt wurde.
Charlotte überkam ein grandioser Orgasmus.
Danach, erschöpft und immer noch zitternd, drückte sie ihren Körper an den seinen. Sie trug immer noch die beiden Latexanzüge, weil keiner von beiden wollte, dass diese entfernt werden.
„Danke“, flüsterte sie voller Zufriedenheit. „Danke, dass du mich endgültig zu deine Puppe gemacht hast.“
Er küsste die gummierte Stirn. Der Duft von Latex und die Liebe erfüllte den Raum.
„Ich muss dir ebenfalls danken“, murmelte er, „weil ich mich für immer um dich kümmern darf.“
Draußen schlief die Welt, ohne zu wissen, dass in der ruhigen Umgebung einer ländlichen Landschaft ein Pfarrer und seine Braut eine Vereinigung gefunden hatten, die viel tiefer und viel glänzender war als jedes Gelübde, das bei Tageslicht gesprochen wurde.
Und in den folgenden Jahren, wenn sich die Schranktüren vor zwei identischen, glänzenden Figuren schlossen, wusste Pastor White, dass er der gesegnetste und geheimnisvollste aller Männer war.